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30.3.2011 von HB.
Das traditionelle Schmalzgebäck wird von immer mehr Touristen und Einheimischen geliebt. Allein im zweiten Halbjahr 2010 produzierten Großhersteller über 100 Tonnen dieses Gebäcks. 20 weitere Tonnen stellten kleinere Bäckereien her.
Über die Herkunft gehen die Meinungen auseinander. Einige bestehen auf eine arabische Bäcker, andere verweisen auf mallorquinischen Juden. Wie auch immer: Eine Ensaimada de Mallorca besteht aus einem gezuckerten, fermentierten und im Ofen gebackenen Teig sowie aus Stärkemehl, Wasser, Zucker, Eiern, Sauerteig und Schweineschmalz. Die ersten schriftlichen Hinweise auf die Ensaimada stammen aus dem 17. Jahrhundert. Bereits im 18. Jahrhundert wurde sie zunehmend auch in der mittleren und oberen Gesellschaftsschicht geschätzt. Während des 19. Jahrhunderts war sie auch außerhalb Mallorcas bekannt. Sie wurde in zahlreichen Rezeptsammlungen, Berichten über Gebäckwaren oder in Reisebeschreibungen erwähnt. Auch in den Abhandlungen des österreichischen Erzherzogs Ludwig Salvator von Habsburg wurde die Ensaimada mehrfach beschrieben.
Auf Mallorca ist das Konditorhandwerk eine der ältesten Zünfte. Es reicht bis ins 14. Jahrhundert zurück. Über 50 Prozent der heute existierenden Bäckereibetriebe sind mehr als 150 Jahre alt und werden häufig bereits in der fünften Generation als Familienbetriebe weitergeführt.
Die Ensaimada de Mallorca wurde 1996 als Ursprungsprodukt registriert und die Regierung der Balearen genehmigte im April 2003 das derzeit gültige Reglement, wonach die Ensaimada als geschütztes Produkt mit Ursprungsvermerk eingetragen ist.
Es gibt zwei Arten von Ensaimadas - die gefüllten und die ungefüllten:
In den Bäckereien Mallorca’s findet man außerdem zahlreiche gesalzene Produkte, die mit Fleisch, Gemüse oder Fisch gefüllt oder überbacken sind. Dazu gehören Panades, Coques, Cocorrois, Espinagades de Col o d’Anguila. Einfach mal probieren.
Wer eher süße Gebäcke bevorzugt, sollte einmal das Pa de Figa (Feigenbrot, das in Feigenblätter serviert wird), den Gató aus Mandeln, die mallorquinischen Krapfen (alleine oder gefüllt), oder Tortells, die mit Kürbiss und Cabell d’Àngel hergestellt werden, kaufen(HB).
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12.3.2011 von HB.
Laut dem balearischen Umweltminister Vicens wird die Höhle von Vallgornera in der Nähe von Cala Pi zum „Monumento natural“ erklärt. Die Regionalregierung hat dafür jetzt die rechtliche Prozedur eingeleitet. Aufgrund ihrer einzigartigen Beschaffenheit stieß die Tropfsteingrotte schon seit Längerem vor allem bei Höhlenforschern auf starkes Interesse. Das Prädikat „Naturdenkmal“ soll helfen, die Höhlen besser zu schützen und zu erhalten.
Sie wurde 1968 bei einer Brunnenbohrung entdeckt. An eine touristische Nutzung wird wohl vorerst nicht gedacht. Der Komplex aus Gängen und unterirdischen Räumen ist eine der größten Küstenhöhlenanlagen Europas. Bislang sind rund 67 Kilometer erforscht. Experten vermuten jedoch, dass das System weitaus größer ist.
Auf Mallorca gibt es mindestens 150 Höhlen und rund 40 Erdspalten. Die wohl tiefste Höhle ist mit rund 317 Meter die Glockenhöhle “Cova de Sa Campana”, die sich im Gemeindegebiet Escorca befindet. Höhepunkt ist hier der “Sala de la Gràcia (Sala de Gegants)”, der mit seiner Gesamtfläche von über 10.000 Quadratmetern (145m x 100m) und seiner Höhe von über 30 Metern in Europa wohl einmalig ist (HB).
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12.2.2011 von HB.
Der Nationalpark Cabrera wird immer beliebter. Die Zahl der Besucher nahm von 36.173 (1995) auf 60.662 (2009) zu. Im vergangenen Jahr waren es noch mal rund zehn Prozent mehr. Jetzt wollen die spanische Zentralregierung und die Stadt Palma die Infrastruktur verbessern.
Vor allem die am häufigsten besuchten Stellen der Insel sollen erneuert werden, denn die Wege zur Mole, zum Hafen, dem Strand und dem Ausflugslokal weisen zahlreiche hässliche Schlaglöcher auf. An einigen Aufgängen werden Holzrampen angebracht, so dass sich auch Behinderte besser bewegen können. Außerdem soll in den Ruinen des byzantinischen Klosters ein Museum entstehen.
Weil dieses Gebiet auch bei Tauchfans beliebter wird - allein im vergangenen Jahr waren es über 2000 – sollen neue Hinweistafeln ausführliche Informationen bieten.
Die Bauarbeiten werden über die Sommermonate ausgeführt und bis Ende der Saison beendet sein.
Die im Südwesten gelegene Insel hat eine maximale Nord-Süd-Ausdehnung von 5,5 Kilometern und eine Ost-West-Ausdehnung von über 5 Kilometern. Der Cabrera-Archipel besteht aus 19 Inseln mit einer Gesamtfläche von über 18 km² und einer Küstenlinie von 54 Kilometern. Seit 1991 ist er - einschließlich des umliegenden Meeresgebietes - Nationalpark. Ausführliche Informationen bietet das Besucherzentrum des Nationalparks in Colònia de Sant Jordi, am Plaça Es Dolç.
Sehenswürdigkeiten:
Anfahrten:
- von Colònia de Sant Jordi dauert die ganzjährig angebotene Überfahrt ca. 30 Minuten. Die ca. einstündige Überfahrt sollte in der Saison vorab reserviert werden (Tel. 0043/ 971 64 90 34)
- von Porto Petro dauert die vom 1. Mai bis zum 30. September täglich angebotene Fahrt ca. 75 Minuten
- für den privaten Besuch mit eigenem Boot ist eine kostenlose staatliche Genehmigung erforderlich. Die Anzahl der Genehmigungen pro Tag ist auf 50 beschränkt. Es darf nur im Hafen geankert werden(HB).
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10.1.2011 von HB.
Üblicherweise fällt im Januar auf Mallorca viel Regen und die Temperaturen können nachts schon mal gegen Null Grad herunterrauschen. Der diesjährige Winter ist jedoch ziemlich mild. Es regnet kaum und an den meisten Tagen scheint die Sonne. Schon blühen vereinzelt die ersten Mandelbäume. Ideales Wetter also für die traditionell heißen Fiestas mit zahlreichen und prächtigen Feuerwerken, irren Trommelkunststücken und den Auftritten von großen und kleinen Teufeln, die garantiert Gänsehaut erzeugen.
Seit einigen Jahren schon löst das landwirtschaftlich geprägte Dorf Sa Pobla am 16. Januar eine magnetische Kraft aus. Allein im letzten Jahr zog es beinahe hunderttausend Neugierige an. Warum? An diesem Abend ist hier im wahrsten Sinne des Wortes die Hölle los. Alle wollen die „Nit de bruixa” (Hexennacht) erleben. Sie wird zu Ehren des Heiligen Antonius abgehalten. Während mit Beginn der Dunkelheit in so gut wie jeder schmalen Gasse ein Lagerfeuer (foguerons) entzündet wird, findet in der Dorfkirche ein Gottesdienst statt. Danach marschieren sie auf – die teuflischen „Caparrots” (Schwellköpfe) aus Pappmaschee. Begleitet von einer aus dem Dunkeln agierenden Trommelgruppe ziehen sie durch die schmalen Gassen und zünden dabei immer wieder überraschend einen Böller. Angeblich geht es darum, das Böse und die Versuchung zu bekämpfen. Den Abschluß bildet ein gigantisches Musik-Feuerwerk. Dann wird bis zum Morgengrauen getanzt, gespeist und getrunken.
Wer alle Geheimnisse zu diesem Fest genauer erkunden will, stattet dem „Museo de Sant Antoni i el Dimoni”, einen Besuch ab. Es ist im ehemaligen Bahnhofsgebäude untergebracht(HB).
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28.12.2010 von HB.
Von Horst Buchwald
Ein typisches Erbe volkstümlicher Mittelmeerkultur sind die auf Mallorca hergestellten Siurells. Dabei handelt es sich um weiß getünchte Keramikfigürchen aus Tonerde, die in den Farben grün, rot, blau und gelb in Form von Flecken, Strichen, Punkten oder Kreisen verziert werden. Am Sockel der Siurell befindet sich eine Pfeife - daher auch der Name: siular bedeutet auf katalanisch „pfeifen.“
Die Herstellung
Die einzelnen Teile der Siurell werden aus Ton geformt und später miteinander verbunden. Dann wird die Pfeife geformt und an der Figur befestigt. Nachdem sie getrocknet ist, wird sie gebrannt und in ein Kalkbad getaucht. Dabei wird sie an der Pfeife festgehalten, so daß diese ihre natürliche Tonfarbe behält. Nachdem der Kalk getrocknet ist, wird die Siurell mit Pinselstrichen verziert. Je nachdem an welchem Ort sie produziert werden, kommen unterschiedliche Farben für die Verzierungen zum Einsatz. In Inca sind das Blau und Gelb, in Marratxí Grün und Rot. Die Verteilung der Pinselstriche ist verschieden, denn jeder Künstler hat seinen eigenen Stil und verfolgt bestimmte Muster wie zum Beispiel parallele Pinselstriche in verschiedenen Farben, Pinselstriche im rechten Winkel aufeinander oder die Kombination aus längeren Pinselstrichen und Punkten in einer anderen Farbe.
Zu den klassischen Figuren gehören Reiter, Bauern, Teufel und Hahn. Als Kinderspielzeug dienen unter anderem Flugzeuge und Motorräder.
Das Zentrum der Siurell-Herstellung ist Marratxi, denn dort befinden sich die größten Töpferwerkstätten der Insel. Weitere Produktionsstätten gibt es in Inca, Sa Cabaneta, Llubí, Felanitx, Sineu, Artà, Santa Maria und Consell.
Herkunft
Vermutet wird viel, gesichert ist nichts. Zeit und Ort ihrer Herkunft bleiben unklar. So soll es sich um eine Pfeife handeln, die einst von den Hirten benutzt wurde. Andere glauben, die Figuren dienten als Spielzeug für Kinder. Eine religiöse Bedeutung ist ebenso möglich wie dass sie böse Geister oder ungünstige Winde vertrieb. Es wird auch angenommen, daß die Siurell durch die Phönizier nach Mallorca kamen, denn ähnliche Figuren wurden bei Ausgrabungen auf Ibiza, Sardinien, Zypern und Kreta gefunden.
Liebhaber
Bekannte Sammler und Liebhaber der Siurells auf Mallorca waren der britische Dichter und Schriftsteller Robert von Ranke-Graves und der katalanische Maler und Bildhauer Joan Miró. Beide lebten und arbeiteten jahrzehntelang auf Mallorca.
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17.11.2010 von HB.
Von Horst Buchwald
Man schlürft genussvoll seinen Cafe con leche in der Sonne und schaut dabei verträumt auf den zauberhaften Hafen von Palma. Danach folgt ein Bummel unter Palmen und zartblauem Himmel über den Passeig d`es Born und weiter bis zum Ende des Passeig de la Rambla. Von dort beginnt ein Spaziergang durch die verschlungenen Altstadtgassen. Nun gilt es, die kunsthandwerklichen Kostbarkeiten zu entdecken. So in etwa könnte ein Tag zwischen Weihnachten und Neujahr auf der beliebten Mittelmeerinsel aussehen.
In der Tat: Warum nicht einmal anders feiern und ein paar Tage oder gleich den ganzen Weihnachtsurlaub auf Mallorca verbringen? Entspannen, sehen, staunen, und ganz nebenbei auch noch originelle Geschenke kaufen?
Bummeln und Shoppen im Glanz der Weihnachtsmärkte
Den ganzen Dezember über bis Ende Januar erstrahlen Dörfer und Städte Mallorcas im Glanz der Weihnachtsbeleuchtung. Besonders festlich geht es in Palma, Inca, Manacor, Alcudia , Sineu und Arta zu.
Ein beliebtes Ziel ist immer wieder Palma. Zum Pflichtprogramm gehört der Bummel über die Weihnachtsmärkte auf der Plaza Mayor und der Plaza España, denn hier gibt es mallorquinischen Weihnachtsschmuck, Krippenfiguren, Kitsch und Ramsch.
Entlang des Passeig d`es Born bieten internationale Marken Mode für jeden Geschmack und Geldbeutel. Außerdem werden hier traditionelle mallorquinische Stickereien, Lederwaren, Dekorationsartikel, Weine, Süßigkeiten und tausende andere schöne Dinge angeboten.
Ein besonderes Erlebnis ist auch ein Spaziergang durch das Viertel der Kunsthandwerker Paseo de la Artesanía hinter dem Kloster San Francesc in Palma.
Außerdem organisieren die Händler Palmas besondere Aktivitäten, um die Stadt weihnachtlich und vor allem für Kinder ansprechend zu gestalten. Auf vielen Straßen und Plätzen Palmas gibt es Musik und Theateraufführungen die vom 24. November bis 4. Januar vor allem freitags und samstags stattfinden.
Auch ein Besuch der zentralen Markthalle von Palma ist immer wieder ein Erlebnis. Sie befindet sich unweit des Placa d`Espanya. Im Mercat de l´Olivat gibt es in einer Halle nur Fisch. In der größeren Halle dahinter werden Obst, Gemüse, Fleischwaren und Käse angeboten. Auch den spanischen Schinken (Jamon Iberico) kann man hier kaufen. Die kleinen Bars in der Halle sind wegen ihres leckeren Tapas- Angebots nicht von ungefähr ein Besuchermagnet. Der Markt ist außer Sonntags an jedem Tag in der Woche vormittags geöffnet.
Inlineskater, Radfahrer, Walker und Jogger finden ihr Paradies auf den gut gekennzeichneten Wegen entlang dem Hafen. Zur einen Seite die atemberaubende Kulisse der Altstadt zur anderen der Yachthafen.
Mit dem Bus 15 (Porta des Camp) gelangt man mühelos in die schick modernisierten Seefahrerviertel Portitxol und Es Molinar. Hier kann man sich mit frischem Fisch und Meeresfrüchten in erstklassiger Qualität verwöhnen lassen. Anschließen folgt ein gemütlicher Bummel über die kilometerlange Mole – links die bunten Fischerhütten, rechts der Blick über das Meer in die Bucht von Palma.
Am Heiligabend geht man in allen Städten und Dörfern in die Mitternachtsmesse - der Misa del Gallo. Sehr beliebt ist die Christmesse in der Kathedrale La Seu, denn hier wird mit dem über tausend Jahre alte Gesang der Sibylle ab 23 Uhr eine besondere Attraktion geboten. Er zählt inzwischen zum Weltkulturerbe.
Öffnungszeiten auf Mallorca während Weihnachten
In diesem Jahr sind auf Mallorca die Geschäfte feiertags am 8., 25. und 26. Dezember geöffnet. Der 6. Dezember ist ein Feiertag. Dann sind alle Geschäfte geschlossen.
Weihnachtskrippen auf Mallorca
Nicht wegzudenken von der mallorquinischen Weihnachtstradition sind die Krippendarstellungen, die ab der zweiten Dezemberhälfte in ganz Palma nicht nur in privaten, sondern auch in öffentlichen Gebäuden zu besichtigen sind. Die häufig riesigen Krippen mit Figuren bilden das Leben auf Mallorca nach. Daran haben vor allem Kinder ihre Freude. Von besonderer Schönheit ist die Krippe im Rathaus von Palma de Mallorca (Plaza de Cort). Weitere Krippen findet man auf dem Santa Catalina-Markt, in den Herrenhäusern Can Bordils und Can Marqués, dem Konvent der Kapuzinernonnen und dem Museum Palau March.
Weihnachten auf mallorquinisch
Die Mallorquiner feiern Weihnachten auf ihre eigene Art. Statt des Weihnachtsbaumes findet man in den meisten Häusern die traditionelle Weihnachtskrippe. Am Weihnachtsabend werden heiße Schokolade und das Schmalzgebäck „ensaimada“ aufgetischt.
Das eigentliche Weihnachtsfest findet am 25. Dezember statt. Dann versammelt sich die ganze Familie um einen üppig gedeckten Mittagstisch auf dem verschiedene kalte Braten, Eierspeisen, Spanferkel und zahllose Süßspeisen stehen. Vor allem „turrón“ in verschiedenen Zubereitungen ist sehr beliebt. Dabei handelt es sich in der klassischen Form um eine rechteckige Tafel aus Mandeln, Honig, Zucker und Eiklar.
Die Geschenke bringen in den meisten Familien am 6. Januar die Heiligen Drei Könige. In allen Dörfern und Städten finden darum farbenprächtige Umzüge statt. Die drei Könige kommen kurz vor Einbruch der Dunkelheit auf Pferden und Kamelen und mit Geschenken beladenen Wagen im Gefolge der Majestäten.
Am Vormittag des 31. Dezember feiert Palma auf dem Rathausplatz die „Festa de L’Estendard“, das Fest der Standarte, mit dem an die Rückeroberung der Stadt durch den König Jaume I. von den Mauren am 31. Dezember 1229 erinnert wird.
Der Silvesterabend wird überall auf Mallorca um Mitternacht vor den Rathäusern mit einem Feuerwerk und Sekt gefeiert. Dabei leiten 12 Glockenschläge das Neue Jahr ein und zu jedem der Schläge isst man eine Weintraube, denn das bringt Glück für das kommende Jahr.
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29.10.2010 von HB.
Heiligabend in der prachtvollen, festlich geschmückten Kathedrale von Palma de Mallorca. Eine Orgel erklingt, doch voller Erwartung richten sich alle Augen auf eine zierliche Gestalt, die von mehreren Jungen mit brennenden Kerzen zu einem erhöhten Sitz im Altarraum geführt wird. Sie ist in eine weiße Tunika gekleidet, trägt ein Schwert und eine eigenartige Mütze. Die Orgel verstummt. Jeglicher Laut in dem gewaltigen Kirchenschiff erlischt. Dann beginnt eine Stimme mit der Cant de la Sibil.la, dem Gesang der Sibylle und jedes Herz wird zutiefst berührt.
Am 15. November wird das Unesco- Komitee auf seiner Sitzung entscheiden, ob dieser Gesang zum Weltkulturerbe erklärt wird. Der Text beschreibt das Ende der Welt, die Wiedergeburt von Jesus Christus und das jüngste Gericht. Er erklingt in fast allen Kirchen Mallorcas. Doch die beeindruckendsten Aufführungen finden in der Kathedrale von Palma sowie dem Kloster Lluc statt. Während der Gesang in Lluc von einem Mitglied des klösterlichen Knabenchors, den „Blavets“ , vorgetragen wird, dürfen in einigen Kirchen der Insel auch Frauen und Mädchen diese Rolle übernehmen.
Noch im Mittelalter war dieser Brauch in ganz Spanien verbreitet, kam mit der Eroberung durch Jaimie I. nach Mallorca und blieb bis heute das weihnachtliche Symbol der Insel. Nach dem Verbot durch das Konzil von Trient am Ende des 16. Jahrhunderts verschwand er fast vollständig aus der christlichen Welt.
Er tauchte in lateinischer Sprache zum ersten Mal im 10. Jahrhundert in einem Manuskript aus dem Kloster Saint Marcial in Limoge auf und wurde danach in Katalonien, Italien, Kastilien und Frankreich zelebriert. Im 13. Jahrhundert gab es bereits erste Versionen in katalanisch. Der aktuelle Text entstammt einem Gedichtband des mallorquinischen Mönches Anselm Turmeda aus dem 14. Jahrhundert. Es handelt sich um eine Anlehnung an einen früheren provencalischen Text. Bis zum 17. Jahrhundert wurde die Sibila auf Mallrca nach gregorianischen Weisen gesungen. Im 19. Jahrhundert wurden Text und Melodie verändert. Es existieren mehrere Versionen(HB).
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4.10.2010 von HB.
Von Horst Buchwald
Palmas Altstadt ist wie ein Club vornehmer alter Damen, der Neugierigen nur äußerst zurückhaltend Einblick in ihre schmucken Hinterhöfe gewährt. Inma, die schon als Kind hier verstecken spielte und jetzt Besucher durch das Gewirr der Gassen führt, kennt so gut wie jeden Patio in und auswendig. „Es ist immer wieder so, als würde man in das Innere eines Schneckenhäuschens schauen.“ Sie lenkt den Blick auf Holzkassettendecken, verzierte Treppen, Spitzbögen und schmiedeeiserne Geländer. Die Zeit vergeht wie im Flug, während vor den Augen des Betrachters Jahrhunderte vorüberziehen.
Seit der Maurenherrschaft (903- 1229) hat sich die Straßenführung nicht mehr verändert. Doch wer in Palma nach arabischen Spuren sucht, wird außer den Banyes Arabes nicht viel entdecken, denn während der Wiedereroberung durch die Christen (Requoncista) wurden die islamistischen Bauwerke zerstört. Die neuen Bewohner, meistens Adlige oder reiche Kaufleute aus Barcelona, errichteten ihre Stadtpaläste nach den Vorbildern ihrer Heimat. Dadurch blieb die mediterrane Tradition, Stadthäuser um einen individuell gestalteten Innenhof herum zu bauen, erhalten. „Wir Mallorquiner hatten nie ein Problem damit, Baustile zu integrieren“ erzählt Inma. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts waren gotische Strukturen beliebt, im 15. und 16. Jahrhundert erhielt die Renaissance den Vorzug. Die folgenden zwei Jahrhunderte blüht Palma als Handelsstadt auf. Wer reich war, baute größere Patios. Vor allem die Torbögen werden erweitert, damit Pferdekutschen einfahren konnten.
Im 20. Jahrhundert wurde das Altstadtviertel stark vernachlässigt. Zum Glück hat das den meisten Patios nicht geschadet. Seit einigen Jahren wird dieses mediterrane Schmuckstück saniert und erstrahlt dadurch mit neuem Charme.
Obschon jedes Patio individuell gestaltet wurde, gibt es ein grobes Muster. Zum Innenhof gelangt man durch ein Vestibül mit einer Holzkassettendecke, das mit einem Rund- oder Spitzbogen abgeschlossen wird. Im Patio fallen die breiten Treppen auf, die entweder frei schwebt oder sich an einer Wand schmiegend mehr oder weniger reich verziert in den ersten Stock hochzieht. Dort erwartet den Besucher eine Veranda mit Säulengängen. In der ersten Etage, der Planta Noble, wohnte die Familie, im zweiten Stock das Gesinde und die darüber liegenden Räume dienten als Lager für landwirtschaftliche Produkte. Jeder Hof ist mit Rundsteinen gepflastert, die zu geometrischen Mustern verlegt wurden. In vielen Höfen sind Pflanzen und Blumen im Umfeld eines kühlenden Brunnens aufgestellt. Hier schlägt das grüne Herz des Hauses.
Früher waren die Höfe geöffnet. Sie wurden von den Nachbarn genutzt, ohne den Eigentümer zu fragen. Während die Kinder spielten, hielten die Eltern am schattigen Brunnen ein Schwätzchen oder bahnten eine Ehe an. Kaufleute handelten hier ihre Waren, wenn die Börse geschlossen war. Ein weit offen stehendes und mit Zweigen geschmücktes Tor, zeigte an, dass ein Kind geboren wurde. Lorbeerzweige wiesen auf einen Jungen, Myrte auf ein Mädchen hin. Eine halb geschlossene Tür bedeutete, dass jemand verstorben war.
Für Inma hat der Palast Can Catlar in der Carrer del Sol 7 die „schönste Renaissancefassade der Stadt.“ Sie lenkt den Blick auf zwei Fenster. Das Rechte zeigt das Relief einer Frau, die sich mit einem Schwert ersticht.
Selbstmord – aber warum? Inma zuckt nur mit den Schultern und sagt dann „La Seca“. War es das Geld? Schon möglich, denn hier war der Ort, an dem bis 1787 die mallorquinischen Münzen geprägt wurden. Das löste offensichtlich Spannungen aus. Denn dieses Privileg sowie der Titel „Senor de la Bolsa de Oro“ wurde dem Besitzer von König Alfonso V. – auch „der Großmütige“ genannt - verliehen. Als der Palastherr 1438 noch den Titel “Señor de Llucmajor” erhielt, probten die Bewohner des Dorfes den Aufstand, weil sie um ihre Privilegien fürchteten. Die Rebellion blieb jedoch ohne Folgen, denn der Altstadtpalast ist seit 1492 im Besitz der Catlar- Familie.
Ein jederzeit zugänglicher Palast ist Can Marques in der Carrer de Zanglada 2a. In diesem Museumshaus überlagern sich Stile aus mehreren Epochen. An der Treppe fallen die zahlreichen Jugendstilelemente auf. In den Räumen der oberen Stockwerke kann das Interieur eines mallorquinischen Stadtpalais aus dem 18. und 19. Jahrhundert bewundert werden. Die Zimmer orientieren sich am Barock und Rokoko.
Zurück in der Wirklichkeit knurrt plötzlich der Magen. Hat Inma einen Geheimtipp für die Altstadt? In der Calle Son Alonso 2, nicht weit entfernt von den Banyes Arabes, lockt die Taberna del Caracol mit einer großen Auswahl an Tapas - und einer bei Mallorquinern sehr beliebten Spezialität: Schnecken.
Die privaten Patios in Palmas Altstadt sind für öffentliche Stadtführungen bis Ende Oktober geöffnet. Zwei Touren stehen zur Auswahl. Eine führt durch die Oberstadt- Treffpunkt ist der Olivenbaum vor dem Rathaus. Eine weitere konzentriert sich auf die Unterstadt und startet am Casal Solleric. Die Teilnahme kostet fünf Euro. Anmeldungen sind sinnvoll. Dafür steht die Telefonnummer 971 720 720 (Montags bis Freitags 08.00 Uhr – 18.30 Uhr) zur Verfügung.
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19.8.2010 von HB.
Von Horst Buchwald
Das Projekt ist ehrgeizig und kann bis zu vier Milliarden verschlingen - die nachhaltige Umgestaltung der Playa de Palma. Ein gewichtiges Schlagwort im Masterplan des Playa de Palma – Konsortiums heißt „emissionsneutral“. Was muß man sich darunter vorstellen? Margarita Nájera, die Direktorin des Konsortiums, beschrieb das so: „Warum benötigt ein Gebäude in Can Pastilla dreimal so viel Energie wie in Hamburg? Wenn wir nicht nachhaltig sind, werden viele nicht mehr kommen. Ich denke da zum Beispiel an all die Grünen-Wähler in Deutschland. Das sind zudem die Kunden mit der größten Kaufkraft, wie uns auch der Reiseveranstalter TUI bestätigt hat. Diese Zielgruppe hat Werte, die sich in der Playa de Palma spiegeln müssen“.
Mit anderen Worten: Die Umgestaltung bedeutet zunächst das Aus für die Billigabsteigen in der ersten Reihe von Orten wie Can Pastilla, Ses Maravilles und Arenal. Das hat natürlich Folgen für die bisherigen Gäste. Im Frühjahr gehörte die Playa den Radlern, in der Hochsaison feierten die „Ballermänner“ hier ihre wilden Partys und im Herbst schoben die Kegelvereine eine ruhige Kugel. Die meisten dieser Touristen werden sich den Wandel von einer Zwei- Sterne- zu einer Vier- Sterne- Destination nicht leisten können. Zudem werden sie auch nicht mehr genügend Betten finden, weil deren Zahl von jetzt 43 000 um 40 bis 60 Prozent reduziert werden soll. Schließlich wird sich die Angebotswelt völlig verändern. Geplant sind sehr viele Zentren - ein Zentrum für die Kultur des Mittelmeers, ein Vergnügungs- und Showzentrum mit Musical- und Theateraufführungen. Auch für Hochleistungssportler ist ein Zentrum geplant. Darüber hinaus sind ein Bio- Hotel der Luxusklasse sowie ein Kunstmuseum vorgesehen.
Offen sind noch manche Details- zum Beispiel die Frage nach dem Verlauf der Straßenbahn. Offen ist natürlich auch, ob sich die finanzielle Kalkulation erfüllen wird. Erwartet wird, dass die „Kunden mit der größten Kaufkraft“ statt jetzt 65 Euro pro Tag eher 135 Euro ausgeben. Weil die Erneuerung nicht von heute auf morgen sondern im Zeitraum von zehn bis 20 Jahren vollzogen werden soll, bleibt noch genügend Zeit, um festzustellen, ob sich nicht folgende betriebswirtschaftliche Berechnung, die in einem Mallorca-Forum angestellt wurde, als zutreffender erweisen wird: „Mit einem Eimer Sangría oder 100 Dosen Bier ist mehr Gewinn zu erwirtschaften als mit einem 4-Sterne Menu. Kein Personal, keine Speisesäle, kein Geschirrspüler, etc.“
Der „Grünen-Wähler“ würde jedoch Folgendes bemängeln: wie hoch sind die Emissionen und die Umweltkosten, die diese Art von Tourismus verursacht?
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24.7.2010 von HB.
Von Horst Buchwald
Weder auf Mallorca noch sonstwo in Europa findet die Ma- 2141 ihresgleichen. Sie ist 14 Kilometer lang und windet sich in endlosen engen Kurven mit ausnahmslos atemberaubenden Ausblicken auf Meer und Bergmassive bis hinunter in die Sa Calobra Bucht. Dies ist insbesondere in den Sommermonaten kein Geheimtipp mehr, weil zahlreiche Buskarawanen mit Touristen die Serpentinen hinabschleichen. In der Nebensaison hingegen liegt die Natur dem Besucher einsam zu Füßen. Der Höhepunkt der Abfahrt ist zweifellos der Krawattenknoten- eine Kehre von 270 Grad. Die nächste Attraktion heißt Cavall Bernat. Hier führt die Straße zwischen steil aufragenden Felswänden hindurch. Wer sich Zeit lässt und geduldig beobachtet, entdeckt zwischen den Felsen und in den Lüften garantiert Wanderfalken und Fischadler.
Unten angelangt, führt ein schmaler Weg durch beleuchtete Tunnel in ein weites, offenes Tal mit einer kleinen Kiesbucht. Hier mündet der Torrent de Pareis ins Meer. Beidseits der Bucht ragen bizarre Felsen gen Himmel. Der Strand Platja de Torrent de Pareis ist nur 25 Meter lang und etwa 30 Meter breit. Oberhalb des Strandes befindet sich eine Schiffsanlegestelle. Hier legen Boote an, die von Port de Soller kommen- eine weitere Möglichkeit, an diesen wundervollen Ort mit dem bergkristallklaren eiskalten Wasser zu gelangen.
Wer das Abenteuer liebt und ein geübter Kletterer ist , kann - mit viel Wasser und einer Top-Ausrüstung versehen – nur an absolut trockenen Tagen zum Restaurant Escorca an der MA-10 zwischen Sóller und Pollença fahren, denn hier beginnt der Abstieg in die Erosionsschlucht Torrente de Pareis. Es ist keine Wanderung, weil während des Abstiegs mindestens drei gewaltige Felsen er- und umklettert werden müssen. Auch Rutschtouren hinab über mehrere Meter auf dem Hosenboden lassen sich nicht vermeiden. Manch einer hat hier schon die Orientierung verloren. Beinahe jährlich sind schwer Verletzte oder Tote zu beklagen. Dies sind deutliche Hinweise darauf, dass man sich die Tour nur zumuten sollte, wenn der Körper in einem topfitten Zustand ist.
Die Schlucht des Torrent de Pareis wurde mit Teilen der Schluchten des Torrent de Lluc und des Torrent des Gorg Blau im Jahre 2003 zum Naturdenkmal erklärt. Außerdem ist die Landschaft ein Vogelschutzgebiet. Es gibt etwa 300 Pflanzenarten, wovon 10 Prozent nur auf den Balearen vorkommen.
Ein ganz besonderes Highlight ist im Juli das Schlucht – Konzert des Londoner Quartetts Cantabile.
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