Archive für Oktober 2010

Gesang der Sibylle bald Weltkulturerbe?

Heiligabend in der prachtvollen, festlich geschmückten Kathedrale von Palma de Mallorca. Eine Orgel erklingt, doch voller Erwartung richten sich alle Augen auf eine zierliche Gestalt, die von mehreren Jungen mit brennenden Kerzen zu einem erhöhten Sitz im Altarraum geführt wird. Sie ist in eine weiße Tunika gekleidet,  trägt ein Schwert und eine eigenartige Mütze. Die Orgel verstummt. Jeglicher Laut in dem gewaltigen Kirchenschiff erlischt. Dann beginnt eine Stimme mit der Cant de la Sibil.la, dem Gesang der Sibylle und jedes Herz wird zutiefst berührt.

 

Am 15. November wird das Unesco- Komitee auf seiner Sitzung entscheiden, ob dieser Gesang zum Weltkulturerbe erklärt wird. Der Text beschreibt das Ende der Welt, die Wiedergeburt von Jesus Christus und das jüngste Gericht. Er erklingt in fast allen Kirchen Mallorcas. Doch die beeindruckendsten Aufführungen finden in der Kathedrale von Palma sowie dem Kloster Lluc statt. Während der Gesang in Lluc von einem Mitglied des klösterlichen Knabenchors, den „Blavets“ , vorgetragen wird, dürfen in einigen Kirchen der Insel auch Frauen und Mädchen diese Rolle übernehmen.

 

Noch im Mittelalter war dieser Brauch in ganz Spanien verbreitet, kam mit der Eroberung durch Jaimie I. nach Mallorca und blieb bis heute das weihnachtliche Symbol der Insel. Nach dem Verbot durch das Konzil von Trient am Ende des 16. Jahrhunderts verschwand er fast vollständig aus der christlichen Welt.

 

Er tauchte in lateinischer Sprache zum ersten Mal im 10. Jahrhundert in einem Manuskript aus dem Kloster Saint Marcial in Limoge auf und wurde danach in Katalonien, Italien, Kastilien und Frankreich zelebriert. Im 13. Jahrhundert gab es bereits erste Versionen in katalanisch. Der aktuelle Text entstammt einem Gedichtband des mallorquinischen Mönches  Anselm Turmeda aus dem 14. Jahrhundert. Es handelt sich um eine Anlehnung an einen früheren provencalischen Text. Bis zum 17. Jahrhundert wurde die Sibila auf Mallrca nach gregorianischen Weisen gesungen. Im 19. Jahrhundert wurden Text und Melodie verändert. Es existieren mehrere Versionen(HB).  

Balearen: Hotels werden neu bewertet

Das balearische Tourismusministerium will die Hotels auf den Balearen neu bewerten. Die alte Methode stammt noch aus den 60er Jahren und orientierte sich vornehmlich an architektonische Kriterien.

Bei der neuen Klassifizierung werden Service und Ambiente im Vordergrund stehen. Mit einem Punktesystem werden 350 Kriterien bewertet. Dazu gehören zum Beispiel die Ausstattung der Zimmer, Freizeiteinrichtungen, Qualität der Restaurants und Hotelbars. Allerdings sollen die Hoteliers ihre Punktezahl selber ermitteln und in einer eidesstattlichen Erklärung aufführen. Die
Liste wird im Internet veröffentlicht und kann von Jedermann überprüft werden. Noch vor Ende des Jahres soll die neue Methode angewendet werden (HB).

Wie steht es um die Kriminalität auf Mallorca?

Auf  Mallorca ist die Kriminalität um 49,6 Prozent  gestiegen. Das spanische Innenministerium  hat die höchsten Sicherheitsbeamten der Balearen zu einer Krisensitzung nach Madrid beordert. Der oberste Polizeichef der Balearen erklärte die bedenklichen Zahlen mit einer starken Zunahme der Delikte in Mallorcas Metropole Palma. Eine Hauptursache sei die zunehmende Personalknappheit bei der Polizei.

Schock laß nach. Steht es um das bevorzugte Urlaubsziel der Deutschen wirklich so schlimm? Die Nachricht ging am 10. Mai 2002 über die Ticker. Doch in den folgenden acht Jahren wurden die Balearen sicherer. Nach den  aktuellen Angaben der Zentralregierung sank die Kriminalitätsrate im Vergleich zum letzten Jahr um 1,3 Prozent. Durchschnittlich gab es auf den Inseln 62,5 Verbrechen pro 1000 Einwohner. Ein Rückgang wurde bei den Missbrauchsfällen (-2,6%) gemeldet und Mord und Totschlag gingen um 0,3 % zurück, ebenso schwere Raubüberfälle (-0,7%).

 

Ein Plus steht vor Diebstahl mit 0,6 % . Auch die Zahl der Einbrüche stieg - von 53,7 auf 57,7 pro 10.000 Wohnungen. Betroffen waren vor allem Zweitwohnsitze, die außerhalb geschlossener Ortschaften liegen.

  

Hintergrund:

 

Mallorca ist kein Paradies. Warum sonst werden in den Dörfern und Städten sowie auf dem Lande zahlreiche Häuser und Grundstücke mit hohen Mauern, Eisengittern und Stacheldraht geschützt? Das Geschäft der Wach- und Schließgesellschaften boomt. Wer sich deren Service nicht leisten kann, setzt Wachhunde ein.

Es gibt jedoch auch die Blumenfrauen an der Kathedrale La Seu in Palma. Sie halten Ihnen eine Blume, einen Zweig entgegen oder fordern Sie auf, den Säugling in den Arm zu nehmen. Wenn  Sie nicht achtsam sind, fehlt Ihnen anschließend meistens Brieftasche oder Geldbörse oder beides.

 

Sehr beliebt ist auch der Wechselgeldbetrug. Sie bezahlen in einem Cafe oder dem Einzelhandel mit einem großen Schein und erhalten, wenn Sie nicht aufpassen, statt 30 Euro nur noch 10 zurück. 

Natürlich gibt es an der Playa de Palma immer noch Hütchenspieler. Einfach nicht mitspielen.  Auch bei Prostituierten ist Vorsicht die Mutter der Porzellankiste, denn nicht selten wurde ein Tourist in einer Seitenstraße überfallen und beraubt(HB). 

Weitere römische Siedlung auf Mallorca entdeckt

 

(HB). Bei Grabungsarbeiten für das neue Krankenhaus Son Espases wurde ein symbolisches Senkblei in Form einer Amphore sowie ein goldener Patrizierring gefunden. Nach Ansicht der Archäologen deuten sie auf eine römische Zeremonie hin. Im Jahr 123 vor Christus soll auf dem Gelände die Gründung des römischen Palma stattgefunden haben. Damals eroberte  Konsul Quintus Cecilius Metellus die Balearen für die römische Republik. Alle Fundstücke und die römischen Mauerreste wurden bei den Bauarbeiten gesichert und sollen ab April 2011 in einem Besucherzentrum zu besichtigen sein.

 

Schon seit einigen Jahren können beim heutigen Alcudia die Rest der Ruinen von Pollentia („ die Mächtige“) besucht werden. Die Stadt wurde von den Römern um das Jahr 70 v. Chr. erbaut und entwickelte sich mit etwa 3000 römischen Bewohnern zur Hauptstadt der Insel. Von hier aus wurde Mallorca offenbar weitgehend friedlich romanisiert. In der Stadt gab es Handwerksbetriebe, ein Theater sowie ein zentrales Forum. 426 n.Chr. wurde sie von den Vandalen überfallen und zerstört. Später wurde Pollentia neu aufgebaut und zur Keimzelle des heutigen Pollenca.

 

Die Ruinen wurden ab dem 16. Jahrhundert beim Bau der Stadtmauer von Alcudia entdeckt. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts folgten weitere Ausgrabungen. Die Rest der einstigen Römerstadt, bestehend aus Grundmauern, Säulenresten, mehreren Wohnhäusern, Versammlungsplatz und Ruinen eines kapitolinischen Tempels aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. können besichtigt werden.

 

Öffnungszeiten: Di – Fr 10 – 18 Uhr, Sa/So 10.30 – 13 Uhr, Mo/Fei geschlossen.Info: Tel. 971/547004, www.pollentia.net

Mallorca: Tourismus boomt im Herbst

Tourismusexperten erwarten für Mallorca einen Herbstboom. Bereits im September haben sich die Besucherzahlen sehr positiv entwickelt. Mit einer Hotelbelegung von beinahe 80 Prozent gehörte die Mittelmeerinsel zur bestausgelasteten Region Spaniens. Im Vergleich zum Vorjahr kamen mit rund 1,3 Millionen Menschen rund 10 Prozent mehr auf die Insel. Deutsche, Italiener und Amerikaner lagen an der Spitze. Weil Mallorca noch immer stark nachgefragt ist, wird die Fortsetzung des Booms erwartet. 

Fahrradfahren auf Mallorca – zwei neue Angebote

Pedelecs sind in deutschen Städten und auf dem Lande schon ein Thema. Warum nicht auch auf Mallorca? Schließlich ist nicht jeder Tourist so durchtrainiert, dass er mit einem Rennrad die Insel erkundet oder auf verschwiegenen Camis mit dem Mountainbike die ansonsten eher unsichtbaren Ecken der Insel erkundet.

Pedelecs sind ideal für ältere oder wenig trainierte Besucher, die, ohne sich vollkommen zu verausgaben einmal gemütlich während ein oder zwei Tagen abseits vom Strandleben überschaubare Teile der Mittelmeerinsel erkunden wollen. Der Akku eines Pedelec hält immerhin 50 bis 80 Kilometer durch- je nachdem wie stark der Gegenwind bläst oder wie viele Steigungen während der Strecke überwunden werden müssen. Doch mit einem Ersatz- Akku im Gepäck sind auch ganztägige und anspruchsvollere Touren möglich.

Pedelecs sind keine E-Bikes! Man muß schon in die Pedale treten, erst dann wird die Wirkung des kleinen Motors ausgelöst und kann um 50, 100 und 150 Prozent verstärkt werden.

Der erste Anbieter ist Mallorca Sportiv in Alcudia (0049 171 27 24 086) am Hotel Ivory Playa.

In 2011 soll nun endlich das „Bicing“ System, wie es in Barcelona und Sevilla erfolgreich betrieben wird, auch in Palma realisiert werden. An 28 Stationen in 15 Vierteln der Stadt soll es ab Januar 2011 470 Andockstellen geben. Die Preisgestaltung ist noch offen (HB).

Einblick in Palmas schmucke Hinterhöfe

Von Horst Buchwald

Palmas Altstadt ist wie ein Club vornehmer alter Damen, der Neugierigen nur äußerst zurückhaltend Einblick in ihre schmucken Hinterhöfe gewährt. Inma, die schon als Kind hier verstecken spielte und jetzt Besucher durch das Gewirr der Gassen führt, kennt so gut wie jeden Patio in und auswendig. „Es ist immer wieder so, als würde man in das Innere eines Schneckenhäuschens schauen.“ Sie lenkt den Blick auf Holzkassettendecken, verzierte Treppen, Spitzbögen und schmiedeeiserne Geländer. Die Zeit vergeht wie im Flug, während vor den Augen des Betrachters Jahrhunderte vorüberziehen.

Seit der Maurenherrschaft (903- 1229) hat sich die Straßenführung nicht mehr verändert. Doch wer in Palma nach arabischen Spuren sucht, wird außer den Banyes Arabes nicht viel entdecken, denn während der Wiedereroberung durch die Christen (Requoncista) wurden die islamistischen Bauwerke zerstört. Die neuen Bewohner, meistens Adlige oder reiche Kaufleute aus Barcelona, errichteten ihre Stadtpaläste nach den Vorbildern ihrer Heimat. Dadurch blieb die mediterrane Tradition, Stadthäuser um einen individuell gestalteten Innenhof herum zu bauen, erhalten. „Wir Mallorquiner hatten nie ein Problem damit, Baustile zu integrieren“ erzählt Inma. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts waren gotische Strukturen beliebt, im 15. und 16. Jahrhundert erhielt die Renaissance den Vorzug. Die folgenden zwei Jahrhunderte blüht Palma als Handelsstadt auf. Wer reich war, baute größere Patios. Vor allem die Torbögen werden erweitert, damit Pferdekutschen einfahren konnten.

Im 20. Jahrhundert wurde das Altstadtviertel stark vernachlässigt. Zum Glück hat das den meisten Patios nicht geschadet. Seit einigen Jahren wird dieses mediterrane Schmuckstück saniert und erstrahlt dadurch mit neuem Charme.

Obschon jedes Patio individuell gestaltet wurde, gibt es ein grobes Muster. Zum Innenhof gelangt man durch ein Vestibül mit einer Holzkassettendecke, das mit einem Rund- oder Spitzbogen abgeschlossen wird. Im Patio fallen die breiten Treppen auf, die entweder frei schwebt oder sich an einer Wand schmiegend mehr oder weniger reich verziert in den ersten Stock hochzieht. Dort erwartet den Besucher eine Veranda mit Säulengängen. In der ersten Etage, der Planta Noble, wohnte die Familie, im zweiten Stock das Gesinde und die darüber liegenden Räume dienten als Lager für landwirtschaftliche Produkte. Jeder Hof ist mit Rundsteinen gepflastert, die zu geometrischen Mustern verlegt wurden. In vielen Höfen sind Pflanzen und Blumen im Umfeld eines kühlenden Brunnens aufgestellt. Hier schlägt das grüne Herz des Hauses.

Früher waren die Höfe geöffnet. Sie wurden von den Nachbarn genutzt, ohne den Eigentümer zu fragen. Während die Kinder spielten, hielten die Eltern am schattigen Brunnen ein Schwätzchen oder bahnten eine Ehe an. Kaufleute handelten hier ihre Waren, wenn die Börse geschlossen war. Ein weit offen stehendes und mit Zweigen geschmücktes Tor, zeigte an, dass ein Kind geboren wurde. Lorbeerzweige wiesen auf einen Jungen, Myrte auf ein Mädchen hin. Eine halb geschlossene Tür bedeutete, dass jemand verstorben war.

Für Inma hat der Palast Can Catlar in der Carrer del Sol 7 die „schönste Renaissancefassade der Stadt.“ Sie lenkt den Blick auf zwei Fenster. Das Rechte zeigt das Relief einer Frau, die sich mit einem Schwert ersticht.
Selbstmord – aber warum? Inma zuckt nur mit den Schultern und sagt dann „La Seca“. War es das Geld? Schon möglich, denn hier war der Ort, an dem bis 1787 die mallorquinischen Münzen geprägt wurden. Das löste offensichtlich Spannungen aus. Denn dieses Privileg sowie der Titel „Senor de la Bolsa de Oro“ wurde dem Besitzer von König Alfonso V. – auch „der Großmütige“ genannt - verliehen. Als der Palastherr 1438 noch den Titel “Señor de Llucmajor” erhielt, probten die Bewohner des Dorfes den Aufstand, weil sie um ihre Privilegien fürchteten. Die Rebellion blieb jedoch ohne Folgen, denn der Altstadtpalast ist seit 1492 im Besitz der Catlar- Familie.

Ein jederzeit zugänglicher Palast ist Can Marques in der Carrer de Zanglada 2a. In diesem Museumshaus überlagern sich Stile aus mehreren Epochen. An der Treppe fallen die zahlreichen Jugendstilelemente auf. In den Räumen der oberen Stockwerke kann das Interieur eines mallorquinischen Stadtpalais aus dem 18. und 19. Jahrhundert bewundert werden. Die Zimmer orientieren sich am Barock und Rokoko.

Zurück in der Wirklichkeit knurrt plötzlich der Magen. Hat Inma einen Geheimtipp für die Altstadt? In der Calle Son Alonso 2, nicht weit entfernt von den Banyes Arabes, lockt die Taberna del Caracol mit einer großen Auswahl an Tapas - und einer bei Mallorquinern sehr beliebten Spezialität: Schnecken.

Die privaten Patios in Palmas Altstadt sind für öffentliche Stadtführungen bis Ende Oktober geöffnet. Zwei Touren stehen zur Auswahl. Eine führt durch die Oberstadt- Treffpunkt ist der Olivenbaum vor dem Rathaus. Eine weitere konzentriert sich auf die Unterstadt und startet am Casal Solleric. Die Teilnahme kostet fünf Euro. Anmeldungen sind sinnvoll. Dafür steht die Telefonnummer 971 720 720 (Montags bis Freitags 08.00 Uhr – 18.30 Uhr) zur Verfügung.

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